Baumart bestimmen: So erkennen Sie Ihren Baum
Baumart bestimmen anhand von Blatt, Rinde, Wuchs und Früchten – und warum die Baumart für die Fällgenehmigung wichtig sein kann.
Kurz gesagt
Ob ein Baum unter die Baumschutzsatzung fällt, hängt meist vom Stammumfang ab, manchmal aber auch von der Baumart. In Düsseldorf sind die meisten Obstbäume ausgenommen, in Neuss Birken, die meisten Pappeln und Nadelbäume außer der Eibe. Am sichersten bestimmen Sie die Art an mehreren Merkmalen zugleich: Blatt, Rinde, Wuchs und Früchte. Wo es auf die genaue Art ankommt und Sie unsicher sind, lassen Sie den Baum von einem Fachbetrieb bestimmen.
Warum die Baumart zählt
Jede Stadt regelt selbst, welche Arten ihre Satzung ausnimmt:
- Düsseldorf: Obstbäume sind nicht geschützt, ausgenommen Walnuss und Esskastanie. Birken, Pappeln und Nadelbäume sind geschützt wie alle anderen Bäume.
- Krefeld: Die Satzung nimmt keine Art ausdrücklich aus. Nach Angaben der Stadt sind Obstbäume in der Regel nicht geschützt, ausgenommen Walnuss und Esskastanie.
- Neuss: Birken, Pappeln (außer heimischer Zitter- und Schwarzpappel) und Nadelbäume (außer der Eibe) sind nicht geschützt. Der Ginkgo ist geschützt, Obstbäume ebenfalls.
Für alle anderen Arten zählt allein der Stammumfang. Wie Sie ihn messen, steht unter Stammumfang richtig messen.
Die vier Merkmale
- Blatt: Form, Rand (glatt, gesägt, gelappt), Anordnung am Zweig und ob es ein einfaches oder ein zusammengesetztes Blatt ist. Nehmen Sie ein typisches Blatt aus der Mitte der Krone, nicht von einem Schössling am Stamm.
- Rinde: Farbe, glatt oder rissig, Muster wie Ringel, Platten oder Korkwarzen. Junge Bäume haben oft eine ganz andere Rinde als alte.
- Wuchs: Krone breit, schmal oder säulenförmig, Äste aufrecht oder hängend.
- Früchte und Blüten: Nüsse, Zapfen, Beeren, geflügelte Samen. Oft liegen Reste unter dem Baum, auch im Winter.
Im Winter helfen Knospen, Rinde, alte Früchte und das Laub am Boden. Die Rosskastanie hat große, klebrige Knospen, die Buche lange, spitze, die Esche schwarze.
Die Fälle, auf die es ankommt
Obstbaum, Walnuss oder Esskastanie?
Kern- und Steinobst wie Apfel, Birne, Kirsche oder Pflaume erkennen die meisten an den Früchten. Schwieriger sind zwei Arten, die in Düsseldorf und laut Stadt Krefeld trotz der Obstbaum-Ausnahme geschützt bleiben:
- Walnuss: gefiederte Blätter aus fünf bis neun glattrandigen Blättchen, die beim Zerreiben würzig riechen. Die Nüsse sitzen in einer grünen, glatten Hülle.
- Esskastanie (Marone): lange, schmale Blätter mit stacheligen Zähnen am Rand. Die Früchte stecken in einem dicht stacheligen Becher.
Nicht verwechseln: Die Rosskastanie hat handförmige Blätter aus fünf bis sieben Teilen und ungenießbare Früchte. Sie ist kein Obstbaum und überall ab der Schwelle geschützt.
Ob Zierformen wie Zierkirsche oder Zierapfel als Obstbaum gelten, regeln die Satzungen nicht ausdrücklich. Fragen Sie im Zweifel bei der Stadt nach.
Birke
Die Birke erkennen Sie meist an der weißen Rinde mit schwarzen Rissen, im Alter am Stammfuß dunkel und grob. Die Blätter sind klein, dreieckig bis rautenförmig und doppelt gesägt, die Zweige hängen oft. In Neuss ist sie nicht geschützt, in Düsseldorf und Krefeld schon.
Welche Pappel?
In Neuss entscheidet die genaue Pappelart, ob der Baum geschützt ist:
- Zitterpappel (Espe), geschützt: rundliche Blätter mit grob gewelltem Rand an langen, seitlich abgeflachten Stielen. Deshalb zittern die Blätter schon bei leichtem Wind. Die Rinde ist lange glatt und grünlich grau mit rautenförmigen Korkwarzen.
- Schwarzpappel, geschützt, wenn heimisch: dreieckige bis rautenförmige, zugespitzte Blätter, dunkle, tief gefurchte Rinde, am Stamm oft knollige Auswüchse.
- Hybrid- oder Kanadische Pappeln, nicht geschützt: Kreuzungen mit Schwarzpappel-Erbgut, oft sehr gerade und schnell gewachsen.
Heimische Schwarzpappel und Hybridpappel sind auch für Fachleute schwer zu unterscheiden. Die schmale Säulen- oder Pyramidenpappel ist eine Zuchtform der Schwarzpappel; ob sie als „heimisch“ gilt, klären Sie mit der Stadt. Silber- und Graupappeln mit weißfilziger Blattunterseite fallen nicht unter die Rückausnahme.
Eibe oder anderer Nadelbaum?
In Neuss sind Nadelbäume nicht geschützt, die Eibe aber schon. Sie erkennen sie an:
- flachen, weichen Nadeln, oben dunkelgrün glänzend, unten heller grün, ohne weiße Streifen,
- roten, beerenartigen Früchten an weiblichen Bäumen statt Zapfen,
- rotbrauner, dünner Rinde, die in Schuppen abblättert.
Ähnlich sieht die Tanne aus, sie hat aber zwei weiße Streifen unter jeder Nadel und Zapfen. Thuja und Scheinzypressen haben schuppenförmige Blätter und zählen zu den Nadelgehölzen. Vorsicht: Fast alle Teile der Eibe sind giftig.
Ginkgo
Der Ginkgo hat unverwechselbare, fächerförmige Blätter, oft mit einer Kerbe in der Mitte, die sich im Herbst goldgelb färben und abfallen. Er ist kein Nadelbaum im engeren Sinn und in Neuss ausdrücklich geschützt.
Häufige Gartenbäume im Überblick
| Baumart | Erkennen Sie an |
|---|---|
| Spitzahorn | handförmig gelappte Blätter mit spitzen Zipfeln, Milchsaft im Blattstiel, geflügelte Samen |
| Bergahorn | gelappte Blätter mit stumpferen Zipfeln, Rinde im Alter in Platten abblätternd |
| Linde | schief herzförmige, gesägte Blätter, Früchte an einem zungenförmigen Flügel |
| Stieleiche | gebuchtete Blätter mit kurzem Stiel, Eicheln an langem Stiel |
| Rotbuche | glatte, silbergraue Rinde, ovale Blätter mit gewelltem Rand, Bucheckern |
| Hainbuche | gefaltete, doppelt gesägte Blätter, glatter, gerippter Stamm; oft als Hecke |
| Esche | gefiederte Blätter mit gesägten Blättchen, schwarze Knospen |
| Robinie | gefiederte Blätter mit ovalen, glattrandigen Blättchen, Dornen an den Zweigen, tief gefurchte Rinde |
| Platane | Rinde in großen Flecken abblätternd, ahornähnliche Blätter, kugelige Früchte |
| Rosskastanie | handförmige Blätter, Kastanien in weich bestachelter Hülle |
Alle diese Arten sind in Düsseldorf, Krefeld und Neuss geschützt, sobald sie die Schwelle erreichen.
Apps als Hilfe
Bestimmungs-Apps wie Flora Incognita, eine kostenlose und werbefreie App der TU Ilmenau und des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie, oder Pl@ntNet erkennen viele Bäume an einem Foto von Blatt, Rinde oder Blüte. Fotografieren Sie mehrere Merkmale und vergleichen Sie die Vorschläge.
Eine App ist eine Hilfe, kein Nachweis. Gerade bei Pappeln liegen auch gute Apps oft daneben. Hängt die Genehmigung an der Art, verlassen Sie sich nicht allein darauf.
Wann Sie bestimmen lassen sollten
- wenn die Art darüber entscheidet, ob Sie eine Genehmigung brauchen, etwa bei einer Pappel in Neuss,
- wenn die Merkmale nicht zusammenpassen oder der Baum stark verändert ist,
- wenn Sie ohne Genehmigung fällen wollen, weil Sie die Art für ausgenommen halten.
Ein Fachbetrieb oder Baumsachverständiger kann die Art bei der Besichtigung bestimmen. Halten Sie das Ergebnis fest, am besten mit Fotos. Im Baum-Check können Sie „Weiß nicht“ angeben. Er geht dann davon aus, dass die Art geschützt ist, und ordnet allein nach dem Stammumfang ein.
Häufige Fragen
Mein Baum ist ein Apfelbaum. Brauche ich eine Genehmigung?
In Düsseldorf nicht, in Neuss schon, wenn er die Schwelle erreicht. In Krefeld ist das nicht eindeutig geregelt; fragen Sie dort vorher bei der Stadt nach.
Zählt eine Thuja-Hecke als Baum?
In Neuss sind Nadelgehölze wie Thuja ausgenommen. In Düsseldorf und Krefeld kann ein einzelner Stamm einer alten Thuja die Schwelle erreichen; dann zählt er wie jeder andere Baum.
Woran erkenne ich einen abgestorbenen Baum?
Ein abgestorbener Baum treibt im Frühjahr nicht mehr aus, die Knospen sind vertrocknet, die Rinde löst sich oft großflächig. Ob das an der Genehmigungspflicht etwas ändert, hängt von der Stadt ab; mehr dazu unter Ist mein Baum gefährlich?.